Die Schwertleite und der Ritterschlag war für einen Mann im Mittelalter einer der wahrscheinlich bedeutendsten Ereignisse, die ihm
wiederfahren konnten. Es bedeutete nicht nur ein höheres Ansehen, sondern war auch mit vielen Privilegien verbunden. Noch heute
ranken sich allerlei Mythen und Geschichten über dieses Ereignis und sehr oft wird es durch Kino und Fernsehen falsch dargestellt.
Es gibt jedoch Aufzeichnungen, die von tatsächlichen Begebenheiten berichten und von denen man annehmen kann, dass sie durchaus ein realistisches Bild dieses Vorgangs darstellen. Auf diese Quellen aufbauend versuchen wir eine solche Zeremonie nachzustellen und auf verschiedenen Veranstaltungen zu zeigen.
Bevor wir den Ablauf darstellen, möchten wir kurz auf die ritterlichen Tugenden eingehen, auf die sich der Stand der Ritter begründet.
Diese Tugenden sollten von jedem Ritter befolgt und eingehalten werden.
Die Ergebenheit, die Treue, der Großmut und die Freigiebigkeit,das Sprechen der Wahrheit, das maßvoll und
besonnen Handeln sowie das stetige und beharrliche verfolgen seiner Ziele sind bedeutende Regeln und wurden als
innere Zucht streng gefordert. Des weiteren soll der Ritter stets wohlerzogenes Auftreten und sich gegenüber Frauen
ehrerbietig betragen. Die Schönheit im Gange, Gebärde und Rede, der freundliche Gruß sowie die Achtung älterer
Peronen und die Pflege des Körpers waren wichtige Regeln der äußeren Zucht. Ansonsten möge er sich in Demut
üben und ein gottgefälliges Leben führen. Wer in allen Lebenslagen Milde und Zucht bewahrte, erstritt sich die dritte
Tugend, die Maze. Es handelt sich hierbei um das richtige Maßhalten, streng geübter Selbstbeherrschung.
Der Kampf bis zum Tod zum Schutz des Herren und für das Wohl des Staates, wobei er nicht nach Beute gieren soll,
sowie das Bekämpfen der Glaubensfeinde und Ketzer beschreiben die vierte Tugend, die Vuoge. Es geht hierbei um die
Geschicklichkeit im Gebrauch der Waffen. Diese Tugend beinhaltet außerdem den Schutz und die Verteidigung von
Armen, Schwachen, Witwen und Weisen.
Schwertleite:
Ein Edelknabe hält Schild und Speer
(mit Fähnchen), während dem neben ihm
stehenden Ritter die Brünne übergezogen
wird und einem weiteren der Fürst selbst
das Schwert umgürtet
Abbildung nach einer Miniatur im
Codex des Matthäus Paris (13. Jhd.)
Zu Beginn der Entstehung des Ritterstandes bestand die Schwertleite lediglich aus der Übergabe der Waffen durch eine, dem zukünftigen Ritter nahestehende Person. Zuvor mußte der Knabe eine lange Ausbildung über sich ergehen lassen. Sie begann in der Regel mit dem 7. Lebensjahr. An Ritterhöfen und auf Burgen wurde den zukünftigen Rittern das Standesbewustsein eingeprägt um sich durch einen Reichtum an menschlichen Tugenden von den anderen Menschen abzuheben. Die innere und äußere Zucht wurden streng gefordert ( siehe oben ). Mit dem Eintritt in das 16. Lebensjahr wurde der Knabe ( man findet auch die Bezeichnung "Page" ) zum Knappe ernannt. Wenn er von fürstlicher Geburt war, sprach man auch vom Jungherr. Er folgte fortan bewaffnet seinem Ritter und Lehrmeister zu allen Aktivitäten. Durch den Akt der Schwertleite wurde der Knappe, der im Allgemeinen das 21. Lebensjahr erreicht hatte, zum Ritter erhoben. Die religiöse Zeremonie, auf welche noch weiter eingegangen wird, entwickelte sich erst zu einem späteren Zeitpunkt.
Ein weiter Möglichkeit den Knappen zum Ritter zu ernennen bestand im sogenannten "Ritterschlag". Es werden zwei Formen dieses Vorgangs in der Literatur genannt: Bei der älteren Form wird der Knappe mit der Handkante auf den Nacken geschlagen. Dies sollte der letzte Schlag sein, den der neue Ritter ohne Gegenwehr zu ertragen hatte. Bei der jüngeren Form wurde der Knappe durch eine Schwertberührung auf die linke Schulter durch einen anderen Ritter in den Stand gehoben. Oft wurden junge Männer vor Schlachten zu Rittern ernannt um dadurch eine höhere Motivation zu erreichen. Es kam auch vor, dass nach erfolgreichem Verlauf eines Kampfes dem Mann der Ritterschlag als Anerkennung und Würdigung seiner Verdienste erteilt wurde. Im Laufe der Zeit löste der Ritterschlag die Schwertleite mehr und mehr ab.
Wie lief nun eine solche religiöse Zeremonie ab und welche Handlungen mußten vorgenommen werden?
Hierzu fanden wir einen Bericht von A. Trinius (1917) "Im Banne der Plassenburg", der eine solche Zeremonie
aus dem Jahr 1260 beschreibt.
Allgemein dürfte bekannt sein, daß der zukünftige Ritter die Nacht vor der Ernennung betend verbrachte.
Aus den Chroniken von Kulmbach: ( sinngemäßer Auszug )
Trinius beschreibt das Fest der Schwertleite als besonders weihevoll und anziehend. An diesem Tag, oft wurde die Zeit der Sonnenwende genutzt, sollte der Knappe den Ritterschlag empfangen. Aus gutem Grund wurde genau dieser Termin ausgewählt, da die Natur jetzt ihre Schönheit entfaltete und dies die Gemüter tief bewegte. Trinius sagt über die Schwertleite, daß es echte höfische Burgpoesie gewesen sein muß. Dies ist sicherlich auch heute noch für jeden von uns nachvollziehbar.
Die Burg war festlich geschmückt. Die Banner wehten und Fanfaren schmetterten weit ins Land um von dem freudigen Ereignis zu künden. Das zusammengelaufene Volk staute sich vor den Toren um seine Aufwartung zu machen und am Festakt teil zu haben. Bereits viele Monate vorher haben sich Boten und Minnesänger auf den Weg gemacht um die erwürdigen Gäste einzuladen. Der Burgherr ritt ihnen entgegen und geleitete sie zu seinem Sitz. Hier überreichte die Burgfrau den Willkommenstrunk. Der zum Ritterschlag bestimmte Knappe hatte am Vortag ein Bad genommen und die Nacht betend in der Kapelle bei seinen Waffen verbracht. Am nächsten Morgen begaben sich alle in die Kapelle. Hier verrichtete der Priester das Hochamt und segnete die Waffen. Nun begann die feierliche Zeremonie der Schwertleite.
Zunächst wurde der Knappe gerüstet ( Häufig waren es sogar mehrere Knappen, denen gleichenzeitig der Ritterschlag
erteilt wurde. Der Einfachheit halber sprechen wir weiter in der Einzahl ! ). Ihm wurden Sporen und Harnisch angelegt
und der Helm wurde befestigt. Der vornehmste Ritter geleitete den jungen Mann zum Priester, welcher oft ein
Kardinal war, vor den Altar mit der Bitte das seine Hochwürden das Gelöbnis des Schildknappen empfange.
Der Priester wandte sich nun an den Knappen und legte ihm die ritterlichen Regeln nahe, so daß er vor dem Gelöbnis
nochmals reiflich darüber nachdenken konnte. Danach legte er die gefalteten Hände des Knappen auf das verlesene
Evangelium der Bibel und fuhr fort: "Willst Du in Gottes nahmen den Ritterorden demütig empfangen und die dir
wörtlich erklärten Regeln nach deinem besten Können erfüllen ?"
Der Knappe antwortete :"Ja, ich will es !"
Nun gab der Priester dem Knappen folgendes Gelübte, das dieser laut verlas: "Ich..., ( im Beispiel: ) Ritter der
bayrischen Ritterschaft, des heiligen Reiches Lehnsmann, gelobe eidlich in Gegenwart des Herrn Petrus, Priester und
apostolischer Gesandten, bei diesem hochheiligen Evangelium, das ich mit der Hand berühre, die Gesetze des
Ritterordens zu beobachten."
Der Fürst gab dem Knappen nun einen Schlag auf den Rücken und sprach : "Zu Ehren des allmächtigen Gottes mache
ich dich zu Ritter und nehme dich mit Freuden in unsere Gesellschaft auf !"
Als wichtigste Handlung der Feier erfolgte nun der Ritterschlag. Der Ritter, der den Knappen aufnahm, schlug diesen,
mit dem Schwert auf den Nacken oder Rücken. Er solle sich fortan immer an die empfangene Ehre erinnern.
Nun erklangen die Glocken, die Pauken dröhnten und die Posaunen schmetterten fröhlich. Durch das Gotteshaus
drang der Ruf: "Auf, auf zum Turnier !"
Die Festgesellschaft drängte hinaus auf den Burghof und ein dreitägiges Hoffest mit Armbrustschießen, Ritterspielen,
Jagt und lustigen Prunkgelagen begann. ...
( Ende des Auszuges )
Da die Zeremonie nicht bei jedem gleich war, fällt es heute schwer eine genaue Beschreibung über den Vorgang der
Schwertleite und dem Ritterschlag zu geben. Aber wie oben genannt kann man sich sicherlich eine gute Vorstellung
über dieses, für den jungen Mann so wichtige Ereignis machen.
 
Verfasser : Karsten Borm, Matthias W. Kühne (geb. Rauchfuß), März 2001
Thueringer Ritterorden - die Ritter des Loewen - e.V.